Was man mitbringen sollte.
  • Körperliche Fitness
  • Auszeit von ca. 6 Wochen
  • Kein Problem mit Abgeschiedenheit

Von Mai bis Juni 2019 bin ich die zweite Hälfte des Pilgerwegs Via Francigena von Lausanne nach Rom gewandert. Das Ziel war meine Grenzen zu testen. Spoiler: Ich bin nicht spirituell veranlagt und kein Suchender. Dieser Bericht ist für Menschen, die eine mehrwöchige Herausforderung suchen, dabei auch mal vom Weg abweichen und ihr „eigenes Ding“ machen wollen.

Themenübersicht
Table Of Contents

Fernwanderweg als Challenge

Vorweg: Ich bin kein Wanderer, nie einer gewesen und doch übte das Thema Fernwanderweg auf mich seinen Reiz aus, seit ich das erste Mal davon hörte. Für mich waren Wanderwege keine Frage der Spiritualität, der Suche oder des anderen Reisens (Stichwort: SloWays). In meinen Gedanken war Fernwandern eine Challenge, ein Wettbewerb zwischen meiner Willensstärke, meinem Körper und den Umweltbedingungen.

Von jeher brauche ich Herausforderungen, um mich zu motivieren, mich anzutreiben und mich weiterzubringen. Das hat mich privat und beruflich immer begleitet und ist auch in meinem sehr abwechslungsreichen Job als Online-Marketeer für mich wichtig gewesen. Job ist hier aber auch das Stichwort: Das Thema lange Auszeit habe ich nie gelebt – Arbeiten, Geld verdienen, mich Weiterentwickeln, Projekte realisieren. Das hatte immer Priorität.

Natürlich gab und gibt es Urlaube, die ich sehr genieße. Aber das Handy und die E-Mails waren nie mehr als einen Handgriff entfernt. Teil der Herausforderung sollte sein, mich davon komplett zu befreien: Gerade die letzten zwei Jahre mit neuer Aufgabe als Head of SEO, Umstrukturierung und Team-Aufbau bei meinem Arbeitgeber hatten in mir die Lust befeuert, eine etwas längerfristige Herausforderung mit einem komplett anderen Setting zu nehmen.

Für mich schied daher ein Etappen-Wandern aus, bei dem ein Stück des (Pilger-)wegs gegangen wird, dann die Rückkehr in den Alltag ansteht und dann im nächsten 1-2 wöchigen Urlaub erneut ein Stück gewandert wird. Das Vor- und Zurück der Etappen-Pilgerreise ist nichts für mich. Ich wollte eine Herausforderung mit Anfang und Ende. Keinen Loop ohne Abschluss.

Große Fernwanderwege: Frankenstraße und Jakobsweg.
Die Via Francigena zählt zu den großen Fernwanderwegen in Europa, ist jedoch weniger bekannt als ihr großer Bruder der Cammino di Santiago, zu deutsch Jakobsweg. Dessen bekanntester Abschnitt der Camino Francés ist in Deutschland untrennbar mit dem Erlebnisbericht „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling verbunden.

Für mich war klar, es musste eine zusammenhängende Strecke sein, die in einem festen Zeitfenster von 6 Wochen zu schaffen war – mein selbst gestecktes Zeitfenster für ein berufliches Sabbatical. Durch die Medien und nicht zuletzt eine gute Bekannte schien da die Wahl fast automatisch auf den bekanntesten Abschnitt des Jakobwegs zu fallen: Den ca. 800 Kilometer langen Camino Francés nach Santiago de Compostela durch Nordspanien.

Wenig erbaut war ich von der Aussicht, mit tausenden anderer Menschen einem ausgetretenen Weg zu folgen, in Schlafsälen mit bis zu 50 Mann/Frau zu übernachten und der relativ kargen Landschaft Nordspaniens zu folgen. Da tat sich für mich eine Alternative auf, die mich sofort ansprach. Die Via Francigena – auch Frankenweg – von Canterbury nach Rom mit einem großen Etappenstück durch Italien, einem Land dem ich aus verschiedenen Gründen sehr verbunden bin.

Es gibt nicht DIE Via Francigena

Dank meiner unstillbaren Neugier und meinem Interesse neues zu Lernen, tauchte ich in die Via Francigena Geschichte ein und begriff: Es gibt so wenig eine Via Francigena, wie es einen Jakobsweg gibt. Vielmehr ist sie ein Zusammenschluss aus historischen Handels- und Heerstraße die bis in die Zeit der Römer zurück reicht und zum Beispiel die historischen Römerstraßen der Via Aurelia, Via Emilia oder Via Cassia meint. Im Jahr 876 kam der Name Via Francigena für den Verbund dieser Routen wohl erstmals als Sammelbegriff für den Pilgerweg nach Rom auf.

Reiseberichte, wie man am besten in die heiligste Stadt des Christentums kommt, gaben Pilger vermutlich schon kurz nach der Christianisierung des römischen Reichs ab, zu den Bekanntesten zählen die des Mönchs Gildas des Weisen, des Bischofs Wilfried, des heiligen Bonifatius und der Nonne Hugeburc. Den nachhaltigen Eindruck hinterließ aber Erzbischof Sigerich von Canterbury, der 990 nach Rom und zurück reiste. Er hielt penibel seine 80 Stationen fest und lieferte damit den besten Via Francigens Reisebericht von Canterbury nach Rom.

Via Francigena Dauer und Länge.
Länge der Via Francigena: 1.600 Kilometer
Dauer der Via Francigena: ca. 80 Tage
Durchschnittliche Geschwindigkeit: 20 Kilometer/Tag

Über die Zeit kamen weitere Reiseberichte von anderen Rom-Pilgern hinzu, häufig blieb Sigerichs Pilgerreise aber ein fester Bestandteil – und stellt noch heute den „offiziellen“ Verlauf der Via Francigena nach Rom. Nicht zuletzt dank des Booms auf dem Jakobsweg wurde die Via Francigena in den 1990ger Jahren als Pilgerweg revitalisiert und 2004 als europäische Kulturstraße ausgezeichnet. Der Jakobsweg trägt das Prädikat Kulturweg übrigens bereits seit 1987 – er war der Erste.

Warum pilgern Menschen nach Rom?

Rom. Die ewige Stadt. Das Zentrum der Welt. Wiege des römischen Reichs. Geburtsort von Romulus und Remus. Herz des Christentums. Sitz des Papstes. Ruhestätte von Petrus und Paulus. Es gibt viele Gründe, warum man über die Jahrtausende nach Rom reiste. Nicht zuletzt die Kirche des Mittelalters mit ihrem Fokus auf Kreuzzüge, Jenseitigkeit und Ablasshandel war maßgeblich am andauernden Pilger-Boom der Stadt beteiligt. Nur deshalb mühte sich ein Sigerich, ein Wilfried oder ein Gildas in die italienische Stadt. Nur deshalb kann man heute diesen Wegbeschreibungen so gut zu Fuß folgen.

Für Rompilger im 21. Jahrhundert gilt zwar kein Ablasshandel mehr, aber noch immer möchten sich Menschen mit Gott verbunden fühlen, an den Gräbern der Apostel beten und dafür den langen Marsch auf sich nehmen – als Respekt vor Gott. Ich respektiere diese Entscheidung, sie übt auf mich jedoch keinen Reiz aus. Rom als Stadt dagegen schon.

Von daher konnte ich Rom als großes Ziel einer langen Reise viel abgewinnen. Mir war durch meine Recherchen aber auch klar: Ich hatte keine 80 Tage – oder 12 Wochen – Zeit. Ein ganzes Quartal nicht für mein Team zur Verfügung zu stehen stand für mich außer Frage. Angefreundet hatte ich mich mit 6 Wochen.

Meine Via Francigena Route: Lausanne – Rom

Und wenn man sich die Karte der Via Francigena mit ihren Stationen nimmt und von Rom aus gedanklich ungefähr 6 Wochen zurück geht endet man in – Lausanne. Zahlreiche Via Francigena Erfahrungsberichte, Blogeinträge und Buchrecherchen später stand meine Routen- und Tagesetappenplanung:

Ich entschied mich für die südliche Via Francigena Route ab Aostatal über Po-Ebene, die Emilia Romagna, die Toskana und das Lazio nach Rom. Ich wollte aber dennoch die Erfahrung der nördlichen Via Francigena Route ab Lausanne am Genfersee entlang nach Martigny in den Schweizer Alpen machen.

Tipp: Meine digitale Hilfe für die Routenausführung als Navigationsguide war zusätzlich die Via Francigena App und natürlich Google Maps, wenn nichts anderes ging. So konnte ich die Route rückblickend ohne Probleme begehen.

Eine Alpenüberquerung am Sankt Bernhard-Pass hatte ich aus praktischen Gründen verworfen: Ohne nennenswerte Wandererfahrung bei einer Strecke von ca. 1.000 Kilometern bereits nach den ersten 100 Kilometern durch die Alpen zu laufen hielt ich bei allem Optimismus für Vermessen.

Was wenn ich mich verletzten würde? Im Nachhinein kann ich sagen: Eine richtige Entscheidung, denn 1) ist die Pass-Route im Mai häufig noch geschlossen und 2) empfehle ich jedem mit einer guten Grundfitness aber ohne Alpenerfahrung diese auszulassen. Der Rest der Strecke mit ihren etwa 40 Tages-Etappen ist Herausforderung genug.

Tipps zur Via Francigena Routenplanung.
Länge Via Francigena Süd ab Lausanne: ca. 1.000 Kilometer
Dauer Strecke Lausanne-Rom: 42 Tage, ca. 6 Wochen
Beste Via Francigena Jahreszeit zum Wandern:Frühsommer (später April – Mitte Juni)

Ich spreche die ganze Zeit von der Route als Wander-Challenge, dabei bietet sie noch mehr: Wer möchte kann die Route auch als Via Francigena Fahrrad-Challange betrachten. Die modernen Etappen-Planer haben neben den Wanderwegen auch immer kompatible Radwege einbezogen. Diese sind in den Bergen sicher ungleich herausfordernder, folgen aber auch in Teilen der toskanischen Küste direkt durch Küstenstädte wie Marina di Massa, während Wanderer im Hang bleiben müssen.

Via Francigena Unterkünfte: Was für Übernachtungsmöglichkeiten gibt es?

Während es auf dem Camino Francés hauptsächlich gut erreichbar in allen Orten Pilgerherbergen gibt, bietet die Via Francigena etwas mehr Auswahl bei den Pilgerunterkünften. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass man fast jeden Abend in der Nähe einer größeren Ortschaft verbringt und so mehr Auswahl hat: Kirche, Kloster, Hostel oder Hotel heißt es fast immer – letztlich eine Glaubens- und Kostenfrage beim Reisen auf dem Pilgerweg.

Bei Kirchen, Klostern und Hostels empfiehlt sich ein Anruf mindestens 1 Tag vor Ankunft, um sicher zu gehen das in der möglichen Pilgerunterkunft noch etwas frei ist. Hotels kann man häufig mehr oder minder spontan über Buchungsnetzwerke wie Booking.com oder Hotels.com ohne große Probleme bekommen. Ich habe meist am Nachmittag bei der Planung der nächsten Pilgerweg-Tagestour die Unterkunft gebucht.

Wer seinem Glauben verpflichtend handelt, für den stellt sich die Frage der Pilgerunterkunft vermutlich nicht: Ein ernsthafter Pilger geht in Kirche oder Kloster – letztlich endet fast jede Via Francigena Etappe an einem Gotteshaus. Die Kirchenväter und -Mütter sind aber keinesfalls nur Barmherzigkeit verbunden: In der Regel kann eine Nacht zwischen 5 und 15 Euro als Spende kosten (15 Euro empfohlen!). Je nach Pilgerherberge gibt es dann eine Schlafecke mit Matte, ein Bett, ein Bett mit Bettzeug oder ein Bett mit Bettzeug und ein Abendessen, sowie ein Frühstück.

Auch weil die kirchlichen Betten häufig schnell gefüllt sind, nehmen viele auch den Weg ins Hostel. Derer gibt es am Weg einige, allerdings bei Weitem nicht so viele wie am Jakobsweg. Ihre Anzahl steigt aber dank steigender Pilgerzahlen, erzählte mir die Chefin im Hostel von San Miniato. Durchschnittlich kostet ein Hostel-Schlafplatz um die 20-25 Euro. Für Jakobsweg-Pilger mag das teuer klingen: Die rund 300.000 Besucher haben die Schlafkojen-Preise in den Pilgerunterkünften auf rund 5-11 Euro gedrückt.

Überblick: Pilgerherbergen-Preise.
Kirche/Kloster:5-15 Euro/Nacht
Hostel: 20-25 Euro/Nacht
Hotel: ab 20-30 Euro/Nacht, mein Durchschnitt: 42 Euro/Nacht

Als dritte Option der Pilger-Unterkünfte bleiben Hotels, Bed&Breakfasts oder Pensionen. Diese sind häufig überrascht, wenn man sich als Fernwanderer outet, weil ihnen die Via Francigena nichts sagt.

Ich bin mehr als einmal verwundert gefragt worden, ob ich wirklich die Via Francigena „a piedi“ – also zu Fuß – beschreite. Dank der Gastfreundschaft der Italiener hieß das Bekenntnis zum Wandern auf der Via Francigena aber auch häufig ein zusätzlicher gratis Café oder 1-2 Flaschen Wasser. Wenn man die Latte niedrig ansetzt kann man diese Art der Pilger-Unterkünfte schon ab 30 Euro, in einigen Fällen sogar 20 Euro, bekommen.

Ich oute mich als klarer Hotelgänger an dieser Stelle: Wer die Reise vor allem als Geh-Challenge und Mini-Sabbatical begreift und die 5-10 Euro mehr erübrigen kann, dem lege ich die kleinen, Inhaber geführten Hotels als Pilgerunterkunft nahe.

Sie haben meist lokale, d.h. italienische Kundschaft, die Mitarbeiter sprechen wenig englisch, die Zimmer sind sauber und häufig gibt es ein Abendmenü für 10-25 Euro mit Vorspeise, Hauptgängen, Nachtisch, 1/2 Liter Wein und Wasser (je nach Region und Hotel unterschiedlich) . Gerade nach einem langen Wandertag ein schöner kulinarischer Ausklang. Die Hotels die ich auf meiner Reise besucht und für gut befunden habe, finden unten bei den jeweiligen Etappen ihre Erwähnung.

Via Francigena: Packliste ist wichtig

Erfahrene Wanderer haben mir gesagt: „Nimm nicht mehr 10 Kilo Gepäck mit!“ und ich habe mich weitgehend daran gehalten. Warum weitgehend? Weil ich die ersten Tage zu viel Proviant und noch einige unnötige Kleinteile dabei hatte. Ich habe mich schnell davon getrennt und kann jedem nur raten, wirklich jedes unnötige Teil wegzulassen.

Zwar gewöhnt sich der Körper mit der Zeit an das Gewicht, aber je leichter der Rucksack, desto beschwingter der Gang. Das Einsparen von unnötigem Tand hat einen anderen positiven Nebeneffekt: Es wird Kapital frei, dass unbedingt in gutes Schuhwerk und Rucksack gesteckt werden sollte.

Wenn ich rückblickend die Wahl hätte zwischen nackt mit guten Wanderschuhen laufen und High-Tech-Kleidung und Turnschuhen – ich würde immer nackt nehmen. Gute Wanderschuhe heißt nicht zwangsläufig teuer, aber ganz billig wird es meist nie. Hier muss jeder für sich entscheiden, was ihm ein guter Schuh wert ist und vor allem: Was für ein Schuh für ihn bequem ist. Für mich waren es am Ende nach langer Beratung im Globetrotter Outlet ein Meindl-Schuh.

Auch beim Rucksack habe ich mir lange Zeit genommen und mich beraten lassen. Ich mag keine Rucksäcke, häufig sitzen sie schlecht und außer einem Eastpak zu Schulzeiten habe ich das Thema jahrelang gemieden. Am Ende wurde es ein Deuter Aircontact Lite.

Jetzt bin ich zumindest für das Thema Tracking mit Rucksäcken versöhnt. Folgende Eigenschaften haben mich überzeugt: Breite Riemen wegen meiner breiten Schultern, guter Aufsatz auf der Hüfte, variabler Platz und viele kleine Stauräume.

Hat man diese beiden Accessoires braucht man (fast) nichts anderes mehr. Hier meine restliche Packliste.

Wer möchte, sollte außerdem einen Via Francigena Pilgerausweis bestellen und stets bei sich führen. Der Pilgerpass erfüllt mehrere Funktionen: Zum einen kann man dort an jeder Tages-Station in Kirchen oder an Tourismuszentren einen Pilgerstempel bekommen und so seine Reise – wenn man möchte – nachhalten.

Der Pilgerpass ermöglicht außerdem vergünstigte Übernachtungsmöglichkeiten und Pilgermenüs in ausgewählten Lokalitäten. Der Ausweis ist an mehreren Stellen erhältlich: Entweder vorab bei der Eurovia (ca 15. Euro mit Versandkosten nach Deutschland) oder bei der Stankt Jakobsbruderschaft Trier (6,45 Euro mit Versandkosten).

Ich habe von beiden Quellen einen Pilgerausweis bestellt. Der Verein der Trierer Jakobsbrüder schickt „nur“ den Ausweis, dafür zügig. Die Eurovia schickt auch noch einen Pilgerführer und Unterlagen. Diese kamen jedoch bei mir erst nach 8 Wochen an – da war ich längst unterwegs.

Testimonium Peregrinationis Peractae ad Linina Petri.
Wer gerne bei der Ankunft in Rom ein sogenanntes Testimonium über die absolvierte Strecke möchte, benötigt den Nachweis der letzten 100 Kilometer per Stempel auf jeden Fall.

Außerdem war alles völlig geknickt und halb zerfetzt. Muss der Hund gewesen sein. Entscheidet man sich, vorab nichts zu bestellen so ist das nicht schlimm: In vielen Hostels oder in verschiedenen Tourist-Centern bekommt man den Pass nachträglich auch noch.

Kosten mit denen man rechnen muss

Zum Ende noch ein Hinweis zu den Kosten der ganzen Challenge. Egal ob als Herausforderung oder als Pilgerschaft geplant: Das ganze Unterfangen ist nicht ganz billig. Immerhin muss man für 6-12 Wochen (je nach Länge des Weges) jede Nacht eine Unterkunft haben, Essen einkaufen oder Essen gehen und auch sonst für diverse Eventualitäten etwas Geld bereit halten.

Ich habe für die Zeit mit rund 3.500 Euro geplant und bin bei knapp über 3.000 Euro rausgekommen. Dabei habe ich nicht auf jeden Cent geachtet und mir Richtung Ende auch noch ein bisschen bessere Unterkünfte gegönnt. Selbst wenn man diese aber rausrechnet wird man schwerlich unter 2.500 – 2.800 Euro durch die 6 Wochen kommen. Nicht eingerechnet ist die Anschaffung von Rucksack, Schuhen und weiteren Reisematerialien.

Fazit Via Francigena: Einfach machen!

Auch wenn das Unterfangen anstrengend und nicht ganz günstig ist: Für mich hat es sich gelohnt. Es war eine herausragende Erfahrung, ich habe viel über mich und meinen Körper gelernt und bin stolz, die Strecke zum Großteil durchgezogen zu haben.

Ich kann jeden, der überlegt ob er ein Sabbatical nehmen soll, um sich einer Herausforderung zu stellen, nur dazu raten sich einem Erlebnis wie der Via Francigena hinzugeben. Ich habe mich damit auch etwas vom Drang beständig E-Mails und Telefon bei mir zu haben, befreit und konzentriere mich heute mehr denn je auf die wichtigen Themen wie Strategie und Mitarbeiterentwicklung.

Wer jetzt neugierig geworden ist und die Tour in Angriff nehmen möchte findet im Anschluss an diesen Text meine komplette Route – inkl. einiger Umwege, Auslassungen und Überraschungen. Jeder Abschnitt ist mit einer Komoot-Route für die Planung vernetzt und hält Informationen zu einem Hotel bereit.

Via Francigena Etappen von Lausanne bis Rom

Ich habe für mich auf meinem Weg nach Rom einige Entscheidungen getroffen, die die Routenplanung und meine Reisezeit nachhaltig verändert habe. Aus Transparenzgründen und für die Planungssicherheit sind diese Abweichungen ebenfalls genau beschrieben – zum Beispiel warum ich doch nicht über die Apenninen gelaufen bin oder einen Abstecher nach Umbrien unternommen habe. Wie bei jeder guten Wanderung gilt: Der Weg ist das Ziel. Aber: Wenn das Ziel da ist, ist auch gut.

Tag 1: Lausanne – La Tour De Peilz

Mit dem Zug geht es aus Deutschland relativ unkompliziert nach Lausanne. Einmal in der Stadt angekommen folgt man einfach der Beschilderung zum See und schon kann das Abenteuer Via Francigena starten. Wichtig: Die eigentliche Etappe geht bis Vevey, dem Hauptsitz von Nestlé.

Da die Hotelpreise in der Schweiz jedoch deutlich über dem von mir genannten Hotelschnitt liegen und Hostels in der relativ feinen Gegend des Genfersee unbekannt scheinen, war es mir Wert ein paar Meter weiter nach La Tour de Peilz zu gehen und ein Hotel unter 90 Euro zu bekommen.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Einfach.
Wasser: Überall am Kiosk verfügbar, keine Brunnen.
Pausenmöglichkeit: Viele schöne Parkbänke direkt am See.
Menschen: Viele, überwiegend Promenadenbesucher.

UNTERKUNFT.


Name: Hotel De La Vieille Tour
Preis: 87 EUR/96 CHF
Besonderheit: große Zimmer, kein Frühstück im Preis inbegriffen.

Tag 2: La Tour De Peilz – Aigle – Martigny

Unverhofft schnell endete das Genfersee-Abenteuer, denn bereits am 2. Tag ging es Richtung Schweizer Alpen und Sankt Bernhard. Für Aigle gilt, was für die Gegend des Genfer See galt: Die Preise sind hoch, es gibt nicht viele Hostels. In Ermangelung von Berg-Training und keiner günstigen Unterkunft ging es mit der Bahn weiter nach Martigny, denn erst dort war das Hotel gebucht.

Achtung: Gerade die ersten Tage nicht selbst überschätzen und lieber kürzere Touren planen. Vor allem die Steigung im Berg nicht unterschätzen. Der Weg kreuzt bzw. führt an Schnellstraßen im Bergtal entlang, die manchmal nur durch lange Umwege zu kreuzen sind.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Mittel. Tipp: Langsam gehen, die Steigung geht in die Beine.
Wasser: Bei Zeiten auffüllen, es folgt eine lange Strecke über Felder ohne Brunnen oder Kiosk.
Pausenmöglichkeit: Am Anfang viele Bänke, später nur Wiesen.
Menschen: Am Anfang Promenadenbesucher, später wenig.

UNTERKUNFT.


Name: Hôtel de la Poste
Preis: 80 EUR/ 87 CHF
Besonderheit: nah am Bahnhof, keine besondere Empfehlung.

Tag 3: Martigny – Aosta (Bustour)

Martigny ist ehrlicherweise kein spannender Ort. Aber er hat ein schönes Alpenpanorama und ist per Bus und Bahn zu erreichen. Allerdings gibt es keine Bahnverbindung über die Alpen nach Aosta. Dazu sind längere Umwege in Kauf zu nehmen, aber per Bahn ist fast alles machbar. Wer wie ich den Weg nicht zu Fuß oder mit dem Rad über die Alpen zurücklegen will (oder kann, weil zum Beispiel der Pass geschlossen ist) kann den Bus nehmen.

Achtung: Der Bus fährt nicht täglich (Hier der Fahrplan, Stand 2018). Etwas Planung ist angebracht. Vom Bahnhof und dem Bahnpersonal in Martigny darf man selbst mit französisch Kenntnissen darüber hinaus keine Hilfe erwarten: Diese fühlen sich für die Verbindung nicht zuständig („Es ist ein Bus!“). Der Abfahrtspunkt für den Bus ist der Busbahnhof einige Meter hinter dem Bahnhof an der Rue de Aoste entlang.

Das Bus-Ticket lässt sich unter anderem unter savda.it bzw. durch herunterladen der App auf selbiger Seite bekommen. Leider ist das Verfahren etwas verwirrend und man darf sich nicht wundern, wenn der Bus nicht von Savda betrieben wird, sondern von seinem französischen Gegenstück – oder umgekehrt. Die Busfahrer interessiert das wenig, solange das Ticket dabei ist.

Nicht zu vergessen ist außerdem, das die Grenze nach Italien überschritten wird und es zu Grenz-Kontrollen im Bus kommen kann. Solange man seinen Ausweis dabei hat und keine größeren Geldmengen oder illegalen Substanzen (diese Fragen wurden mir gestellt und von mir verneint) geht alles recht schnell.

Tag 4: Aosta – Nus

Da der Bus nach Aosta direkt morgens fährt und man schnell wieder auf die Via Francigena aufmarschieren kann, lässt sich direkt ab Aosta weiterwandern. Wer möchte kann natürlich auch die Stadt mit ihren zahlreichen römischen Überresten aus ca. 2.000 Jahren Siedlungsgeschichte erkunden und erst dann weiter gehen.

Die Strecke nach Nus ist in jedem Fall etwas herausfordernd, es geht ca. 200 Höhenmeter aufwärts und teilweise auf sehr engen Waldpfaden mit Abgründen links oder rechts entlang. Wer auf Wanderstöcke verzichtet, sollte sich hier mindestens einen dicken Ast als Stütz- und Tasthilfe suchen.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Mittel, sicherer halt nötig. Gute Kondition für Tagestour.
Wasser: Nur in Aosta und Nus.
Pausenmöglichkeit:Zahlreiche schöne Sitzbänke mit Blick ins Tal.
Menschen: In Aosta Touristen, auf den Wanderwegen kaum.

UNTERKUNFT.


Name: B&B Le jardin de Pierre
Preis: 55 EUR
Besonderheit:Wunderschöner Ausblick aus den Zimmern, alles sehr modern und sauber. Guter Frühstücksraum. Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten allerdings 2-3 KM entfernt.

Tag 5: Nus – Châtillon – Saint-Vincent

Für die Strecke charakteristisch ist einiges Auf und Ab in den Berghängen – das geht in die Knie. In den kleinen Orten kann man Wasser auffüllen. Ich fühlte hier das erste Mal richtig, dass ich mich die Tage zuvor mit zu wenig Pausen etwas übernommen hatte und musste ab Chatillon den Bus nehmen. Der fährt nicht oft, aber in diesem Fall genau als ich an der Station ankam.

Achtung: Gerade die kleineren Bergtouren laden dazu ein, sie zu unterschätzen. Es lohnt sich wirklich alle 5-6 KM eine Pause zu machen, wenn man in seinem Alltag ein Büromensch ist – selbst bei sportlichem Ausgleich. Gerade nach den ersten 3-4 Tagen schleicht sich die erste körperliche Dauermüdigkeit ein.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Mittel durch das viele Auf und Ab.
Wasser: Gibt es in kleineren Ortschaften.
Pausenmöglichkeit: Lassen sich erneut gut entlang der Strecke machen.
Menschen: Ich traf niemanden.

UNTERKUNFT.


Name: Hotel Rendez Vous
Preis: 34 EUR
Besonderheit: Das Zimmer war sauber, ansonsten scheint es etwas in die Jahre gekommen.

Tag 6: Saint-Vincent – Arnad – Pont-Saint-Martin

Häufig kreuzen sich auf dieser Strecke Schnellstraßen und der Wanderweg. Vorsicht ist an diesen Stellen durchaus angebracht. Ab Pont-Saint-Martin wird es flacher.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Mittel. Häufiger Auf und Ab in den Hängen.
Wasser: Findet sich in den Orten entlang der Strecke.
Pausenmöglichkeit: In den Ortschaften.
Menschen: Auf der Wanderstrecke niemand getroffen.

UNTERKUNFT.


Name: La Casa Antica
Preis: 31,50 EUR
Besonderheit: Es handelt sich um einen Gasthof mit dem Bad im Flur. Bei schönem Wetter sicher nett. Wer wie ich Mitten in eine Regenwoche gerät, der sollte sich warm einpacken. Es ist zugig und nasskalt in den Wänden.

Tag 7: Pont-Saint-Martin – Ivrea

Ehrlicherweise bleibt für mich nicht viel mehr zu berichten, denn die nächsten Tage waren von Dauerregen geprägt, der die Landschaft trist erscheinen lässt.

Tipp: Auch bei beständigem Regen nicht die Nerven verlieren, aber die Wegstrecke gut abschätzen. Ich habe ab einigen Stellen die Wald- und Wiesen-Wege gemieden und bin lieber den direkten (Schnell-)Straßen gefolgt. Das ist zwar unschön, der Untergrund ist aber deutlich solider. Nass wird man in jedem Fall. Abends die Kleidung trocknen ist das A und O bei solchen Regen-Episoden.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Mittel. Man folgt befestigten Wegen.
Wasser: Immer wieder Brunnen.
Pausenmöglichkeit: Am Wegesrand und in Orten.
Menschen: Ich habe niemand getroffen.

UNTERKUNFT.


Name: Sei Da Noi
Preis: 30 EUR
Besonderheit:

Tag 8: Ivrea – Viverone

Der Lago di Viverone ist für den Sommer ein schöner Touristenort. Geprägt von zahlreichen kleineren Hotels kann man es bei gutem Wetter dort sicher gut aushalten. Bei Regen ist es indes grau in grau und viel mehr als sich zu freuen, im Trockenen zu schlafen, habe ich nicht zu berichten. Nimmt man sich ein Hotel am See – so wie ich – muss man sich auf einen steilen Ab- und Aufstieg gefasst machen. Der folgt zwar gut erschlossenen Straßen ist aber mühselig zu gehen.

Auf einen Blick.
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Schwierigkeit: Mittel. Die Anstrengung kommt auf Zeit von kleineren Auf- und Abstiegen.
Wasser: In den Ortschaften entlang der Strecke. Aber nicht übermäßig.
Pausenmöglichkeit: Da man überwiegend der Straße folgt keine bequemen.
Menschen: Ich habe niemand getroffen.

UNTERKUNFT.


Name: Hotel Lido
Preis: 40 EUR
Besonderheit: Kleines Hotel, dass vermutlich schon bessere Zeiten gesehen hat. Aber die Zimmer und das Bett sind bequem. Sofern das Restaurant offen hat eine gute Küche zu fairen Preisen. Als ich dort war, trat ein lokaler Künstler auf und lockte die Bevölkerung der Stadt.

Tag 9: Viverone – Santhià

Nach knapp einer Woche wird es zunehmend flacher: Das Aosta-Tal mit seinen Bergen weicht mehr und mehr der Po-Ebene.

Santhià – Vercelli (Bahnfahrt)

Ich muss zugeben hier für einen Moment innerlich aufgegeben zu haben. Nach 3-4 Tagen durchgehendem Regen waren trotz abendlicher Trockenkur zumindest alles feucht. Ich kann nur erneut betonen wie wichtig es ist, zu versuchen zumindest die Dinge für den nächsten Tag trocken zu bekommen. Für mich hies dies zumindest einen Teil der Strecke an einem Tag mit der Bahn zu fahren, um im nächsten Hotel eine längere Trockenzeit einzulegen.

Rückblickend habe ich mich gefragt, ob solche kurzen Schwächen die Challenge in Teilen sabotiert haben. Aus heutiger Sicht sage ich „nein“: Sie haben dazu beigetragen, dass ich auf mich und meinen Körper gehört habe. Mir war Unwohl.

Mich weiter zu schleppen hätte nichts bewirkt – außer vielleicht eine Erkältung, die die Reise noch weiter eingeschränkt hätte. Ich empfehle daher immer wieder in sich zu gehen und täglich ein Assessment der eigenen Kräfte (Körper und Geist) durchzuführen und danach zu entscheiden, wie es weitergeht.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Leicht. Stetig abwärts lässt man die Berge hinter sich.
Wasser: Wirklich wenig Chancen. Besser mehr mitnehmen.
Pausenmöglichkeit:
Menschen:

UNTERKUNFT.


Name: Hotel Matteotti
Preis: 47 EUR
Besonderheit: Behauptet von sich ein Pilgerhotel zu sein. Der Eigentümer, der auch Conciere war, war aber durchgehend unfreundlich und eher genervt von der Anwesenheit eines Gastes – so wirkte es zumindest bei Check-In, Check-Out und Frühstück. Außerdem wollte er mir erklären, dass ich 50 EUR Zahlen müsse, obwohl bei Booking 47 EUR auf der Uhr standen. Dies hatte nichts mit City-Tax oder ähnlich zu tun. Er nannte es „Aufrunden“.

Tag 10: Vercelli – Robbio – Castello d’Agogna

Frisch gestärkt durch einen kürzen Tag folgte ich am nächsten einer persönlichen Challenge und packte 31 KM auf die Uhr.

Auf einen Blick.
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Schwierigkeit: Schwer. Bedingt durch die Länge der Reise. In der Strecke unspektakulär gerade.
Wasser: Kaum, es geht über viele Felder.
Pausenmöglichkeit: Wenige, wenn man sich nicht ins Feld oder die Feldwege fallen lassen will.
Menschen: Niemand, außer Reisbauern, die Felder bewässern.

UNTERKUNFT.


Name: Locanda La Castellana
Preis: 30 EUR
Besonderheit: Reizende Gastgeber. Das Hotel ist eher ein Kraftfahrer-Hotel, Verkehrssprache ist nur italienisch. Das Restaurant biete einen Abendkarte für 10 EUR an. Sehr freundliches Personal.

Tag 11: Castello d’Agogna – Tromello

Ein wirklich langweiliges Stück Strecke über die Felder der Po-Ebene. Es gibt hier nichts schön zu malen: Es gibt nicht viel zu sehen. Letztlich folgt der Streckenverlauf einem Zweck: Nicht der Straße zu folgen. Und dabei gibt sie sich in weitem Bogen alle Mühe.

Auf einen Blick.
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Schwierigkeit: Einfach. Geradeaus ans Ziel.
Wasser: Wenig, es gibt Versorgungshähne auf den Feldern.
Pausenmöglichkeit: Nur, wenn man sich ins Feld fallen lässt.
Menschen: Niemand.

UNTERKUNFT.


Name: Hotel Il Pino
Preis: 40 EUR
Besonderheit: Das Hotel ist kein richtiges Hotel mehr. Es gibt kleine Zimmer, die aber nicht im Haupthaus sind. Alles wirkt wie in Abwicklung. Allerdings ist das Frühstück gut und die zentrale Lage ermöglicht das Einkaufen in der Stadt.

Tag 12: Garlasco – Pavia

Am Ende dem Wasserlauf folgend auf Pavia zuzulaufen ist ein schöner Anblick: Die Renaissance-Stadt lugt langsam mit ihrer zentralen Brücke der Ponte Coperto hervor. 1354 erbaut, musste sie 1947 den Schäden aus dem 2. Weltkrieg nachgeben und fiel in sich zusammen. Die heutige Brücke ist eine 100%ige Replique. Dennoch ist es ein tolles Gefühl über sie in die Stadt einzuziehen.

Auf einen Blick.
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Schwierigkeit: Einfach. Es bleibt flach.
Wasser: Obacht: Gerade am Flusslauf gibt es nichts zu trinken. Nur viel Wasser zu sehen.
Pausenmöglichkeit: Einige auf der Strecke, sofern man sich auf den Boden setzen will.
Menschen: Bei gutem Wetter sammeln sich die Menschen am Grüngürtel der Stadt.

UNTERKUNFT.


Name: Angolo Al Ponte – Bed & Coffee
Preis: 70 EUR
Besonderheit: Eine kleine Wohnung in einem Wohnhaus, als Ferienwohnung umgebaut. Ich wollte etwas moderne und Luxus. Außerdem ist auf Grund des Tourismus vieles in Pavia nicht günstig. Zum Zeitpunkt meiner Ankunft war die Unterkunft brandneu. Es gab noch Start Schwierigkeiten wie kein Wifi. Dennoch eine gute Bleibe. Kein Frühstück.

Tag 13: Pavia – Belgioso Bahnhof

Dieser Teil der Route folgt ausdrücklich nicht der Via Francigena. Er ist ein wenig irrsinnig. Und daher nicht zu empfehlen. Wer möchte kann ab Tag 15 weiterlesen. Warum ich diesen Weg gewählt habe? Weil ich eine Balance zwischen der vollen Strecke nach Piacenza und meinen Blasen gesucht habe. Am Ende kam ein etwas verrückter Streckenverlauf mit einer Übernachtung in der Nähe einer kleinen Ortschaft und kurzen Bahnfahrten heraus, als ich nicht mehr Laufen konnte.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Einfach bis Mittel. Die Herausforderung liegt in der Länge.
Wasser: Wenig, maximal in den Ortschaften.
Pausenmöglichkeit: Wenig, da man keinem traditionellen Weg folgt.
Menschen: Niemand war verrückt genug mit zu Fuß zu folgen.

UNTERKUNFT.


Name: Gustame Risto Pizzeria
Preis: 35 EUR
Besonderheit: Eine Pizzeria, die auch Zimmer anbieter. Zur vereinbarten Zeit war niemand da. Ich musste auch nach einem Anruf noch 2 Stunden warten, bis jemand kam. Dafür war es günstig und im Restaurant kann man für 15-20 EUR ein Menü haben.

Tag 14: Mariotto Bahnhof – Ospedaletto Lodigiano – Piacenza

Die Strecke bleibt wild und folgt allein meinem Willen, jetzt nicht plötzlich nur noch Bahn zu fahren. Nachdem ich erst wieder ein Stück dem Frankenweg folgte, entschied ich mich für die Fahrt nach Piacenza und 2 Tagen vor Ort, um wieder zu Kräften zu kommen. Körperlich war ich am Ende.

Tipp: Ich habe für mich festgestellt, dass ich alle 2 Wochen an einen Punkt gekommen bin, wo mein Körper genug hatte. Jeder muss diesen Punkt für sich finden und dann entscheiden was er tut. Für mich hieß es jeweils: Verweilen. Einen ganzen Tag einmal Nichts tun oder nur die Stadt erkunden. Aber im Kern die Knochen ruhen lassen. Am nächsten Tag ging es ohne Probleme weiter.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Einfach. Es geht wieder einmal nur gerade aus. Und das ein sehr kurzes Stück.
Wasser: Keins.
Pausenmöglichkeit: Keine.
Menschen: Bewohner der Orte.

UNTERKUNFT.


Name: Domus San Martino
Preis: 52 EUR
Besonderheit: Ein Highlight. Das Bed&Breakfast liegt in einem Renaissance-Bau. Das Frühstück ist toll. Die Leute sehr freundlich. Hier ließ es sich gut 2 Tage aushalten.

Tag 16: Piacenza – Fiorenzuola d’Arda

Von 2 Tagen Pause gestärkt gingen die nächsten 30 Kilometer bis Fiorenzuola ganz einfach von der Hand. Die Strecke ist in zweierlei Hinsicht anstrengend: Zunächst folgt man recht lang der Straße, dann einem langen Umweg über Felder. Es bleibt allerdings flach. Für mich machte die Strecke wenig Spaß, denn es regnete wieder einmal den ganzen Tag.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Mittel bis Hoch, abhängig davon wie gut man mit 30 Kilometer-Tagesmarsch klar kommt.
Wasser: Wenig an der Strecke vorhanden. Unbedingt auffüllen.
Pausenmöglichkeit: Zahlreiche im Feld.
Menschen:

UNTERKUNFTL.


Name: Agriturismo LaTerzola 3.0
Preis: 45 EUR
Besonderheit: Ein nettes B&B betrieben von einer interessanten Dame. Die Zimmer sind sehr neu und sauber, es gibt einen Aufenthaltsraum, allerdings ist die nächste Einkaufsmöglichkeit weit weg. Man sollte sich also vorher versorgen. Hinein kommt man mit einem Pin, die Anleitung erhält man vor Anreise per Mail.

Tag 17: Fiorenzuola d’Arda – Fidenza

Über die Strecke ist nicht viel zu sagen, außer das Fidenza relativ teuer ist. Ich konnte keine günstige Bleibe für mich ausmachen. Daher ging es mit der Bahn von Fidenza in den altehrwürdigen Kurort Salsomaggiore Terme.

Fidenza – Salsomaggiore Terme (Bahnfahrt)

Die Züge fahren täglich regelmäßig den Berg hinauf nach Salsomaggiore Terme und die Fahrt kostet ein paar Euro. Natürlich kann man die Strecke auch laufen, sollte dies aber lieber in einer weiteren Tagestour tun. Von dort kann man auf Umwegen wieder auf die Via Francigena gelangen – was ich am nächsten Tag auch getan habe. Salsomaggiore wirkt in die Jahre gekommen, hat aus seinen besten Zeiten sehr viele Hotels und kleine Restaurants, die in der Nebensaison nicht zwangsläufig geöffnet haben. Einen Besuch ist der Ort aber allemal wert.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Mittel, es ist überwiegend flach.
Wasser: Wenig.
Pausenmöglichkeit: Meistens im Feld.
Menschen: Habe ich keine getroffen.

UNTERKUNFT.


Name: Grand Hotel Bolognese
Preis: 29 EUR
Besonderheit: Ein nettes Hotel aus einer scheinbar anderen Ära. Das Personal war aber sehr nett, hat mir Empfehlungen für den Abend ausgesprochen und ein gutes, kleines Frühstücksbuffet gehabt. Zum Abschied gab es noch einen Espresso aufs Haus – aus Respekt vor meiner Wandertätigkeit.

Tag 18: Salsomaggiore Terme – Vaio Ospedale – Medesano – Fornovo di Taro

Diese Tour war so ungemütlich, dass ihr Tracking sich verabschiedet hat – ich bin noch dabei die Strecke zu rekonstruieren. Grundsätzlich war das Ziel, der Via Francigena zu Folgen und in die Überquerung der Apenninen einzusteigen. Dazu bin ich zunächst mit dem Zug von Salsomaggiore bis Vaio Ospedale gefahren (1 Station) und dann über einen Zubringer auf die Via. Bald geht es stramm in den Berg und vor allem durch teils nicht markierte Feldwege mitten durch Wiesen, Büsche und Furten.

Warnung: Die Strecke ist bei gutem Wetter sicher anstrengend, aber gut machbar. Bei schlechtem Wetter hat sie einige Fallen. Nach Möglichkeit nicht auf die Via Francigena Apps oder den Reiseführer hören, lieber Umwege auf „echten“ Wegen und der offiziellen Straße in Kauf nehmen. Wer lieber dem „echten“ Weg folgen will beachte bitte:

1) Besser die Hose lang tragen, in den Wiesen verstecken sich allerlei Nesseln und schnell brennen die Beine. 2) Die Furt, die leicht zu queren sein soll, ist bei Regenzeit nicht leicht zu queren. Es gab keine Steine, es war nötig die Schuhe auszuziehen und das Wasser ging bis zu den Knien.

Das allein ist kein großes Problem. Auf der anderen Seite wartet aber ein Steilhang, der sehr matschig sein kann. Es gibt keine gute Möglichkeit die Schuhe nach der Furt oder im Hang anzuziehen. Bester Weg: Gar nicht erst Richtung Furt laufen, sondern oben der Straße folgen!

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Schwer, schon bei gutem Wetter geht es ordentlich in den Berg.
Wasser: Wenig Wasserstellen.
Pausenmöglichkeit: Auf Wald und Wiesenwegen.
Menschen: Keine außer der lokalen Bevölkerung.

UNTERKUNFT.


Name: Hotel Cavalieri
Preis: 55 EUR
Besonderheit: Das Hotel liegt hinter Fornovo di Taro. Grundsätzlich nettes Personal, es gibt Abendessen und Frühstück.

Tag 19: Fornovo di Taro – Sarzana (Zugfahrt)

Nichts hat mich mehr geärgert als die Tour nach Fornovo und das anhaltende Regenwetter. Ich verweilte bis zum nächsten Mittag im Hotel und entschied, dass ich mich nicht weiter in die Apenninen trauen wollte bei diesem Wetter. Am Tag davor war ich 2 x an besagter Furt gestürzt. Das hatte mir gereicht. Da nach Fornova keine alternative Strecke und vor allem nicht viele Haltepunkte im Berg möglich waren, entschied ich mich für die Bahn, um dem Regen zu entfliehen.

Sarzana – Marina di Massa

Nachdem der Zug mich in Sarzana absetzte ging es wieder auf der Via Francigena weiter Richtung Massa. Ich entschied mich erneut für eine Abweichung von der normalen Strecke: Die Via Francigena setzt nach einer Weile den Weg durch die Berge von Carrara und Massa bis Camaiore fort. Ich fand aber, nach 2 Wochen mehr Regen als Sonne hatte ich mir etwas sonnigen Strand verdient. Die nächsten beiden Tagestouren stehen somit im Zeichen des Strand-Wanders. Dieser Weg ist die eigentliche Route für Fahrradfahrer auf der Via Francigena.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Mittel, erst noch bergig, dann einfach geradeaus.
Wasser: Wenig.
Pausenmöglichkeit: Wenn man den Berg verlässt und Richtung Meer läuft kommt eine Reihe schöner Bänke, danach kann man am Strand verweilen.
Menschen: Viele, auch einige Wanderer.

UNTERKUNFT.


Name: Hotel Villa Giada
Preis: 35 EUR
Besonderheit: Typisches Touristen-Hotel. In der Saison sicher teurer und voller Touristen.

Tag 20: Marina di Massa – Lido di Camaiore

Es gibt zwei Möglichkeiten für diese Strecke: Schuhe aus und wirklich vorne am Strand entlang oder ein paar Meter weiter innen an der Straße. Folgt man dieser ist der Blick zum Meer meist durch die Strandbuden versperrt. Ich entschied mich für eine Mischung: Straße, dann Pause am Strand, ein Stück Strand und dann wieder Straße. In jedem Fall hebt das Meer die Laune.

Tipp: Lässt es die Wassertemperatur zu, sollte man eine Weile verweilen und schwimmen gehen. Die Sachen lassen sich je nach Strandbude einschließen. Die Preise sind aber ordentlich: 20-30 Euro muss man für Schirm und Liege mindestens rechnen.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Keine.
Wasser: An jeder Bude zu kaufen, aber nicht kostenlos am Brunnen.
Pausenmöglichkeit: Ständig kommen Banken.
Menschen:

UNTERKUNFT.


Name: Hotel Ristorante La Terrazza
Preis: 30 EUR
Besonderheit: Ein nettes kleines Hotel. Typisch Touristisch.

Tag 21: Lido di Camaiore – Lucca

Spätestens ab Camaiore wird es wieder ernst. Wer vom Lido kommt, muss bereits eine deutliche Steigung hinnehmen. Richtung Lucca wird das nicht besser. Man merkt: Vom flachen Meer geht es in die bergige Toskana und dann in die malerische Stadt Lucca mit ihrer intakten Stadtmauer. Die Stadt ist in jedem Fall einen längeren Aufenthalt wert.

Achtung: Den Pilgerstempel gibt es nur an einem der Tore. Als ich dort war, war das Touristenbüro unbesetzt. Als ich das nächste erreichte, hat dieses nur den Weinrouten-Stempel und verwies mich an die Kollegen, die geschlossen hatten. Im Zweifel unbedingt in den Kirchen fragen oder im Hostel, wenn man Wert auf den Stempel legt.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Mittel bis Schwer, die Hügel sind nicht ohne.
Wasser: Einige Brunnen.
Pausenmöglichkeit: Gelegentlich. Man folgt vielen Straßen.
Menschen: Vorallem Radfahrer.

UNTERKUNFT.


Name: Giada Palace
Preis: 40 EUR
Besonderheit: Ein netter Inhaber geführtes Haus. Man war sehr zuvorkommend. Das Hotel liegt allerdings hinter Lucca und man muss noch ein ganzes Stück gehen.

Tag 22: Lucca – Altopascio

Ab Lucca nimmt die Via Francigena einen mit auf einen historischen Wanderweg durch die Toskana. Die Städte kennt man aus seinen Geschichtsbüchern, aus Teilen von Goethes Italienreise und letztlich aus den vielen romantischen Toskana-Filmen wie „Unter der Sonne der Toskana“. So schön der Weg ist, er ist auch anstrengend. Die nächsten Tage wechseln sich Berge und Täler ab. Die römischen Vorgänger – die Etrusker – bauten gerne ihre Städte auf Hügel und Berge. Entsprechend beginnt und endet jede Tagestour mit einer Bergwanderung.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Mittel, relativ flach. Aber lang.
Wasser: Bedingt vorhanden.
Pausenmöglichkeit: In den Ortschaften.
Menschen: Die Zahl der Pilger und Wanderer nimmt ab der Toskana zu.

UNTERKUNFT.


Name: Affittacamere da Beppe
Preis: 35 EUR
Besonderheit: Günstig, liegt aber sehr Abseits. Kein Empfang o.ä. Der örtliche Bauer vermietet Zimmer in einem angrenzenden Haus. Entsprechend gibt es den Schlüssel und „Basta!“. In ca. 1-2 Kilometern Entfernung ist das nächste Dorf mit Supermarkt und Restaurant.

Tag 23: Altopascio – San Miniato Alto

Für diese Station gilt besonders: Das Ziel ist das Ziel, der Weg ist egal. Denn der Weg ist gerade am Ende sehr, sehr steil. Allerdings lohnt es sich! San Miniato ist eine winzige Bergstadt. Der Ausblick ist aber atemberaubend und es macht Spaß in der Stadt eine Weile zu verweilen und einfach die Aussicht zu genießen.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Mittel bis Schwer, die Anstiege haben es in sich!
Wasser: Kaum. Bitte vorher auffüllen.
Pausenmöglichkeit: Im Wald wenig, ansonsten immer wieder.
Menschen: Mehr Wanderer und Pilger.

UNTERKUNFT.


Name: Ostello San Miniato
Preis: 18 EUR
Besonderheit: Ein tolles kleines Hostel mit jeweils 6-Bett-Zimmern. Sehr modern, es gibt eine Waschmaschine.

Tag 24: San Miniato Alto –  Borgoforte

Leider hat sich die Route hier zerlegt und ich muss diese noch rekonstruieren. Es gilt jedoch wie bei den vorigen Stationen: Auf-und-Ab.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Mittel bis Schwer, Bergiges Terrain.
Wasser: Selten.
Pausenmöglichkeit: Selten bequem.
Menschen: Viele Fahrradfahrer.

UNTERKUNFT.


Name: La Sosta di Roberto
Preis: 20 EUR
Besonderheit: Etwas vor Borgoforte gelagertes kleines B&B. Im Nebengebäude ist ein Pilgerrestaurant. In Summe ein schöner Ort zum Verweilen, es ist allerdings wirklich nichts in der Nähe.

Tag 25: Borgoforte – San Gimignano

Auch dieses Stück ist leider (noch) in den Weiten von Runtastic/Komoot verschollen. Schon von Weitem kann man San Gimignanos Türme sehen. Soviele haben schon über sie geschrieben, ich halte es kurz: Tolle Gebäude. Aber am besten schnell weg. Die Stadt lebt vom Tourismus, alles ist ein Nepp. Es macht leider keinen Spaß.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Mittel bis schwer. Einiges an Berg dabei.
Wasser: Wenig.
Pausenmöglichkeit: Aussichtspunkte sollte man nutzen.
Menschen: Touristen, Pilger, Radfahrer…sehr viele.

UNTERKUNFT.


Name: Camping Il Boschetto Di Piemma
Preis: 25 EUR
Besonderheit: Es handelt sich um einen Campingplatz nach der Stadt. Man kann sowohl campen, wie kleine Häuser mit 3 Betten und Bad mieten. Diese lassen sich allein oder als Co-Sharing beziehen. Ich habe eines allein bezogen. Entsprechend der Preis von 25 EUR. Im nahen Schwimmbad lässt sich im Sommer gut abkühlen.

Tag 26: San Gimignano – Colle di Val d’Elsa – Staggia Senese

Wieder einmal halte ich mich nicht an die Via Francigena: Ich nehme einen alten Streckenverlauf, der durch Colle di Val d’Elsa führt. Der Weg ist etwas flacher, folgt dafür mehr Straße (leider) und ist etwas kürzer.

Auf einen Blick.
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Schwierigkeit: Mittel, Vorsicht an der Straße.
Wasser: Gibt keins.
Pausenmöglichkeit: Schwer.
Menschen: Kaum.

UNTERKUNFT.


Name: Affittacamere Antonio e Francesca
Preis: 30 EUR
Besonderheit: Ein B&B-Zimmer mit angrenzendem Gemeinschaftswohnraum und Küche. Restaurants in der Nähe.

Tag 27: Staggia Senese – Monteriggioni – Siena

Der Weg führt spätestens ab Monteriggioni wieder auf die Via Francigena und hat es dann in sich: Hügel wechseln sich ab. Dafür gibt es tolle Pausenmöglichkeiten wie etwa in Monteriggioni selbst oder bei Marcello – einem alten Herren der an der Strecke mit seiner Frau ein Pilgercafé gegen Spende betreibt. Leckerer Salat, ein Tip-Top-Bad, Wasser und Kaffee für jeden der vorbei kommt. Alles sehr freundlich. Dieser Wander-Tag ist mir lange im Gedächtnis geblieben. Achtung vor dem Ende dieser Strecke: Der Aufstieg nach Siena hat es in sich!

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Schwer, viel Aufstieg und sehr lang.
Wasser: Immer wieder Brunnen.
Pausenmöglichkeit: Viele Bänke, Bäume und bei Marcello.
Menschen: Viele Wanderer und Pilger.

UNTERKUNFT.


Name: Albergo Cannon d’Oro
Preis: 42 EUR
Besonderheit: Ein leicht in die Jahre gekommenes Hotel in Siena. Aber sehr zentral und gut zum Verweilen in dieser tollen Stadt.

Tag 29: Siena – Orvieto (Bahnfahrt) – Porano

In Siena endet das Toskana-Pilgern für viele. Für mich war die Strecke von Lucca bis hierein eine der Schönsten – sicher auch weil sie geprägt war von gutem Wetter. Anders als die zwei Wochen davor. Allerdings merke ich nach vier Wochen auch eine allgemeine Ermüdung und den Wunsch zu verweilen. Gesagt getan: Durch meine Zugfahrt durch die Apenninen hatte ich Zeit gewohnen und blieb 2 Tage im Herzen der Toskana, in Siena. Die Stadt ist diesen Halt auch wert: Geschichte trifft auf modernes Stadtleben. Die Stadt pulsiert und lebt. Gleichzeitig tolle Museen wie Santa Maria della Scala. Das alte Pilger(!)-Krankenhaus der Stadt nimmt den Besucher mit auf eine Zeitreise von über 1.000 Jahren Stadtgeschichte.

Detour: Gleichzeitig änderte sich bei Recherchen zur Route mein Reiseplan komplett, weil ich mich verkalkuliert hatte: Ich plante einen mehrtägigen Halt am See von Bolsena. Dazu musste ich die nächsten Tage aber raffen – ein schwieriges unterfangen. Plötzlich erschloss sich mir ein ganz anderes Vorgehen: Ich entschied mich für einen Tagesausflug nach Orvieto in Umbrien. Die Stadt gilt als wunderschön. Auch sie ist eine Bergstadt. Mit dem Zug ist man dort schnell hingereist. Von Orvieto nach Bolsena kann man noch dazu wieder Pilgern, hier folgt man einer alternativen Route, die als Zubringer zur Via Francigena gilt. Mein Weg führte mich von Orvieto in den kleinen Ort Porano. Dort übernachtete ich. Das GPS hat auch diese Strecke verloren – ich muss sie rekonstruieren.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Schwer, die Berge um Orvieto haben es in sich.
Wasser: Nur in Orvieto.
Pausenmöglichkeit: Wenige.
Menschen: Keine.

UNTERKUNFT.


Name: B&B Il Cardellino
Preis: 40 EUR
Besonderheit: Das B&B liegt außerhalb jeden Ortes mitten im Feld. Essen kann man keins erwarten, allerdings gibt es einen Kühlschrank mit Getränken und Snacks aus dem man sich bedienen kann. Sehr freundliche Besitzer.

Tag 30: Porano – Bolsena

Der nächste Tag meiner Detour brachte mich von Porano in die Hügel über Bolsena. Dort verweile ich in einem tollen Agriturismo mit Blick auf den See.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Mittel, es geht nach einer Weile nur noch abwärts.
Wasser: Keins.
Pausenmöglichkeit: Ein paar Aussichtspunkte.
Menschen: Wenig, viele Autos.

UNTERKUNFT.


Name: La Riserva Montebello
Preis: 55 EUR
Besonderheit: Sehr nett, etwas in die Jahre gekommen. Aber tolle Grünanlage, toller Pool und gutes Abendessenmenü. Perfekt für eine Pause.

Tag 33: Bolsena – Montefiascone

Auf Bolsena folgt der Entspurt: Spätestens ab Bolsena befindet man sich im Latium, der letzten Region Italiens die ein Pilger quert. Nachdem man in diesem Teil flach startet, geht es hart in die Berge.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Schwer, der Berg hat es in sich.
Wasser: Es gibt einige Brunnen.
Pausenmöglichkeit: Aussichtspunkte sind vorhanden.
Menschen: Wenige.

UNTERKUNFT.


Name: Hotel Italia & Lombardi
Preis: 50 EUR
Besonderheit: Nettes kleines Hotel in einer reizenden Stadt.

Tag 34: Montefiascone – Viterbo

Wer sein Testimonium möchte aufgepasst! Mit Montefiascone starten die 100 für den Vatikan relevanten Kilometer, die per Stempel dokumentiert werden müssen, um von der Kirche bestätigt zu bekommen, dass man die Strecke gepilgert ist. Es soll schon Pilger gegeben haben, die weinend zusammengebrochen sind, weil ein Stempel fehlte. Den Stempel unbedingt auch schon ab Montefiascone besorgen!

Auf einen Blick.
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Schwierigkeit: Mittel, es wird flacher.
Wasser: Wenig.
Pausenmöglichkeit: Wald und Wiese.
Menschen: Mehr Pilger und Wanderer.

UNTERKUNFT.


Name: Casa Vacanza L’Ortaccio
Preis: 35 EUR
Besonderheit: Sehr modern, komplett ausgestattete Ferienwohnung mit Klimaanlage und Küche.

Tag 35: Viterbo – Vetralla

Von Viterbo geht es fröhlich weiter – die Wege bleiben Auf- und Abführend und die Städte sind weiterhin auf Hügeln.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Mittel.
Wasser: Wenig.
Pausenmöglichkeit: Wald und Wiese.
Menschen: Immer wieder Pilger und Wanderer.

UNTERKUNFT.


Name: La casa dei Fiori
Preis: 34 EUR
Besonderheit: Eine komplette Wohnung mit 4-5 Zimmern, Bad und Küche gleich dazu. Alles etwas in die Jahre gekommen, aber sehr zentral. Als ich dort war, gab es ein wildes Straßenfest bis spät in die Nacht.

Tag 36: Vetralla – Sutri

Die Strecke hat es nochmal in sich, erst geht es von Vetralla hinab, dann wieder ordentlich nach oben, nach unten und wieder nach oben. Die Strecke folgt aber einigen malerischen Orten, wie zwei alten verwitterten Türmen (Le Torri D’Orlando) und einem Hain aus Hasselnussbäumen.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Mittel, es bleibt herausfordernd.
Wasser: Wenig.
Pausenmöglichkeit: Wald und Wiese.
Menschen: Wenig.

UNTERKUNFT.


Name: La Stalla delle Zie
Preis: 75 EUR
Besonderheit: Ich bin ab diesem B&B mit meinem Bruder unterwegs. Dadurch steigen die Preise auf den 1. Blick. Liegen aber pro Person hier bei 37.50 für ein Doppelzimmer. Das B&B war sehr schön, die Eigentümer wollten es aber verkaufen.

Tag 37: Sutri – Campagnano di Roma – Formello

Wieder einmal muss die Strecke noch rekonstruiert werden. Es gilt aber: Die Strecke ist eigentlich für 2 Tage vorgesehen und sollte so auch gelaufen werden. In maßloser Selbstüberschätzung habe ich mich hier an den Rand des mögliche begeben: Die Strecke umfasst knapp 40 Kilometer und hat einige Hügel und Grünflächen inklusive. Der Anstieg zu Campagnano ist hart. Die Strecke ist für geübte Wanderer sicher auch an einem Tag machbar. Man sollte aber früh starten, sich nicht der Sonne aussetzen und versuchen langsam zu gehen. All das habe ich nicht beachtet, angekommen bin ich trotzdem. Und von einer super Gastgeberin wieder aufgepäppelt worden.

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Schwer, wenn man wirklich beide Strecken kombiniert.
Wasser: Wenig.
Pausenmöglichkeit: Wenige.
Menschen: Einige Pilger.

UNTERKUNFT.


Name: Bed and Breakfast Nonna Loreta
Preis: 70 EUR
Besonderheit: Auch hier wieder: Zimmer mit meinem Bruder. Aber super gastfreundliche Besitzerin: Es gibt Kaffee und Saft soviel man will, ein Frühstück nach Wunsch und ein tolles kleine Restaurant auf einem Tennisplatz ist in der Nähe – die Besitzerin hat uns dort hingefahren und abgeholt („Niente discussioni, per favore!“)

Tag 38: Formello – La Storta – Rom

In Formello merkt man schon die Nähe zu Rom: Ab hier wird bereits zum Job nach Rom gependelt. Etwa 30 Kilometer sind es noch in die ewige Stadt. Der Weg selbst ist unangenehm, er führt teilweise an der Schnellstraße entlang. Allerdings ist wohl das schlimmste Stück mittlerweile nicht mehr Pilgerweg – stattdessen geht es durch den Grüngürtel am Rande der Stadt. Eine schöne Oase, die aber auch erahnen lässt, wieso es im Mittelalter und selbst noch in der Renaissance zu Malaria-Epidemien gekommen ist. Mückenspray ist Pflicht!

Auf einen Blick.
STRECKENINFOS.


Schwierigkeit: Mittel bis Schwer, kommt auf die Temperatur an.
Wasser: Wenig.
Pausenmöglichkeit: Bänke im Grün-Gürtel.
Menschen: Einige Wanderer und Pilger.

UNTERKUNFT.


Name: Residenza Vatican Suite
Preis: 84 EUR
Besonderheit: Auch hier wieder ein Doppelzimmer – diesmal in der ewigen Stadt selbst. Die Preise sind nun deutlic angezogen. Allerdings sehr schönes B&B-Hotel in einem Altbau in Laufnähe des Vatikans.

Tag 39: Rom – Vatikan

GESCHAFFT! Bereits einen Tag zuvor bin ich in die Stadt gekommen und habe am Rande übernachtet. Spätestens wenn man über Rom Richtung Vatikan (Aussichtpunkt Le Terrazze, in der Nähe vom Fort Monte Mario) blickt weiß man, was man geschafft hat. Danach geht es letztlich nur noch darum, sich nicht von Fußgängern umrennen oder Autos überfahren zu lassen, wenn man zum Vatikan will. Dann steht man schließlich auf dem Petersplatz und weiß: Das war es.

Hinweis: Die Romantik der Reise trifft hier auf die reale Bedrohung des Terrorismus. Der Petersplatz hat extra Sicherheitskontrollen und wer mit Sack und Pack dort ankommt und zum Pilgerbüro will, hat ein Problem: Keine Messer, keine spitzen Gegenstände (Wanderstöcke) etc. sind um den Petersplatz erlaubt. Meist Dinge, die man als Pilger dabei hat. Ich hatte Glück: Man ließ mich trotzdem durch, solang ich versprach direkt in das Pilgerbüro zu gehen. Wer es nicht drauf ankommen lassen will, schließt seine Sachen ein oder geht erst zur Unterkunft.

Via Francigena: Schlusswort zur Wanderung

Wie ich Eingangs schon geschrieben habe: Für mich war die Via Francigena eine Challenge, die mich nach Jahren der harten Büroarbeit mal an andere Grenzen führen sollte. Den Kopf öffnen, neue Erfahrungen sammeln, weiter kommen. Für mich ist das gelungen. Und ich hoffe mit meinen Tipps und Hinweisen auch andere Sabbatical-Suchenende ermuntern zu können, dieses Abenteuer zu wagen.

Es muss nicht immer darum gehen, Gott zu finden oder sein Leben im Anschluss an eine solche Wanderung komplett zu ändern – sie kann genauso aufzeigen, dass alles gut ist. Dennoch kann man an dieser Erfahrung wachsen. In diesem Sinne: Viel Erfolg!

Zum Abschluss: Kurzfassung im Frage-Antwort-Format

Wie viel Kilometer ist die Via Francigena lang?

Rechnet man die gesamte historische Strecke vom englischen Canterbury bis Rom sind es 1.700 Kilometer. Davon umfassen rund 1.000 Kilometer die Via Francigena Süd vom schweizerischen Lausanne nach Rom. Die restliche Strecke entfällt auf England und Frankreich.

Wie viel Tage dauert die Via Francigena Wanderung?

Bei durchschnittlich 20 Kilometern am Tag kann die Strecke in rund 80 Tagen oder 2,5 Monaten bezwungen werden. Die Via Francigena Süd kann man in 40 Tagen schaffen.

Gibt es Pilgerunterkünfte auf der Via Francigena?

Da die tägliche Route meist von Stadt zu Stadt führt gibt es viele Unterkünfte: Pilger Hostels, günstige Hotels oder Pensionen und Kirchen können als Unterkunft dienen. Der Preis pro Nacht pro Person liegt im günstigsten Fall zwischen 10 und 40 Euro.

Warum pilgert man nach Rom?

Rom gilt als das Zentrum der christlichen Welt. Seit dem Mittelalter pilgern Menschen aus ganz Europa nach Rom, um dem Papst zu huldigen und die vielen heiligen Städten und Kirchen zu besuchen. Auch wenn man nur zum Spaß pilgert: Rom ist immer eine Reise wert!