Was man mitbringen sollte.
  • Körperliche Grundfitness
  • Ein paar Nächte guten Schlaf
  • Freunde (allein laufen ist doof)

Im September 2019 wollte ich es nach absolvierter Via Francigena mit 800 Kilometern in 6 Wochen nochmal wissen: Kann ich statt 20-30 Kilometer am Tag auch 100 Kilometer in 24 Stunden gehen? Der Megamarsch Köln war eine Challenge anderer Natur, die im Moment äußerst angesagt ist und die auch mich reizte.

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Wandern mit Kick

Vor ein paar Jahren galt wandern noch als Langweiler-Sportart für rüstige Rentner und war aus Heimatfilmen der 1950er bekannt, in denen die Protagonisten meist aus dem süddeutschen Raum kamen und fröhlich Dirndl trugen. Aber selbst den Zuschauern dieser Formate ging es vermutlich eher um die Liebesdramen in den Bergen als ums Wandern selbst. 

Kurz: Wandern war lange out. Mental lag es vielleicht auch daran, dass die Menschheit der “Wanderpflicht” gerade mal 50 Jahre – in einigen Regionen der Welt vermutlich noch kürzer – entronnen war. Das gefühlt jeder in Deutschland ein Auto hat ist nicht zuletzt dem Wirtschaftswunder der 1950er und 1960er Jahre geschuldet. 

Davor hieß es doch über Jahrhunderte, wenn nicht über Jahrtausende: Wer von A nach B wollte musste im Zweifel zu Fuß gehen – wandern war da Zwang, nicht Genuß. Die ersten „Genusswanderer“ gab es aber scheinbar schon 1336 – die waren aber sicher die Ausnahme.

Spätestens seit der Jogging-Mania der 1980er Jahre war langsames Gehen nichts für die breite, „coole“ Masse. Spätestens aber seit Hape Kerkelings Buch “Ich bin dann mal weg” über den Jakobsweg hat sich das Verhältnis zum Wandern gedreht

War es erst noch das Fernwandern, ist in den letzten Jahren auch das inländische Wandern zu einer respektierten Freizeitaktivität geworden. Was aber, wenn man nicht die Zeit oder Lust hat tagelang zu wandern? Oder beim normalen Wandern den Kick vermisst

Dann können Events wie der Mega- oder Mammutmarsch Abhilfe schaffen: 100 Kilometer in 24 Stunden oder 50 Kilometer in 12 Stunden am Stück zu gehen ist dann doch etwas anderes, als eine kleine Bierwanderung mit Freunden. In jedem Fall klang das Thema für mich nach einer neuen Challenge – ich ging kurz nach meiner Italien-Rückkehr also in die Recherche.

Megamarsch oder Mammutmarsch: Verschiedene Anbieter

Mir war in meiner Facebook-Timeline als erstes der Anbieter mit dem schönen Namen Megamarsch aufgefallen. Das Unternehmen gibt es laut Aussage der Webseite seit 2016 und ist beständig gewachsen. Aktuell gibt es 18 Touren in verschiedenen Regionen Deutschlands und wie es mir scheint ein stets wachsendes Portfolio. 

Neben dem Megamarsch habe ich noch den Anbieter mit dem schönen Namen Mammutmarsch gefunden: Die Gründer dieser Touren sind schon seit 2006 am Markt und nehmen für sich in Anspruch den Hype um Wander-Events mitinitiiert zu haben. 

Der Mammutmarsch ist im Moment in 10 Regionen machbar und bietet neben den 100 und 50 Kilometern auch noch andere Kilometer-Varianten an einigen Standorten an. Neben den beiden Anbietern bin ich noch auf dem Blog schöne-aussicht.de auf weitere 24 Stunden Wanderungen gestoßen. Letztendlich passte bei mir zeitlich und örtlich der Kölner Megamarsch.

Meine Challenge-Erfahrungen richten sich allein auf dieses Angebot – nicht weil ich Schleichwerbung machen möchte, sondern weil mir eben aktuell Vergleichswerte fehlen.

Megamarsch Köln: Was muss man für die Anmeldung beachten?

Wie schon geschrieben gibt es Megamärsche in verschiedenen Städten und Regionen. Mir sind aktuell München, Köln, Frankfurt, Hamburg, Berlin, Dresden, Bremen Stuttgart, Düsseldorf, Weserbergland, Ruhrgebiet, Sylt, Nürnberg, Wien, Erfurt, Hannover, Freiburg und Mallorca bekannt. 

Wie viele Event-Anbieter geht auch der Megamarsch stärker in den Gamification-Ansatz: Wer am 100 Kilometer-Marsch teilnimmt bekommt natürlich eine Urkunde – und zwar bereits ab 40 Kilometer. Danach folgen Urkunden im Abstand von je 20 weiteren Kilometern und bei Zieldurchlauf eine Medaille. Außerdem wird man in die Hall of Fame aufgenommen. 

Wanderpass Megamarsch Köln

Clever ist darüber hinaus gemacht, dass man als Teilnehmer einen Wanderpass bekommt: In diesem kann man all seine absolvierten Megamärsche und Erfolge festhalten und bekommt per Punktesystem so weitere Auszeichnungen wie Lokalmatador, Silver Trophy, Golden Trophy oder Platin Trophy. Toll, oder? 

Die Anmeldung selbst ist denkbar einfach: Auf der Webseite kann man sich über Eventbrite bei seinem gewählten Lauf anmelden. Dabei gibt es noch Entscheidungen zu treffen, wie ob man noch ein Event T-Shirt oder Hoodie haben möchte. Ein – wie ich finde – besonderer Service ist der Gepäck- und Special Needs Transport, mit dem man sein Gepäck ans Ziel bzw.  seine eigene Verpflegung an die Verpflegungsstationen liefern lassen kann. Die Preise verteilen sich wie folgt: 

Ticket-Gebühren64,95 €
Funktions T-Shirt25 €
Event-Hoodie49,95 €
Gepäcktransport15 €
Special Needs Transport15 €

Stand: Winter 2019, Alle Preis noch zzgl. Gebühren.

Die Megamarsch-Packliste – Was muss man mitnehmen?

Das hängt vermutlich davon ab, von wo man anreist. Für diese Fälle bietet sich sicherlich der Gepäcktransport an: Man kann sein Übernachtungs-Gepäck liefern lassen und lediglich sein Wandergepäck mitnehmen. Für mich als Kölner war die Ausrüstung einfach: 

  • Kleiner Rücksack
  • Blase mit Wasser als Basisversorgung 
  • Ein paar Brote als Notproviant 
  • Ein paar Power-Riegel
  • Wundsalbe/Hirschtalgsalbe
  • Blasenpflaster 
  • Sonnenbrille
  • Hut 
  • Stirnlampe für die Nacht
  • Funktionshose lang/kurz
  • Leichter Sport-Pulli 
  • Regenponcho 
  • Wanderstöcke

Wichtig wie bei allen Wanderabenteuern ist eigentlich das richtige Schuhwerk. Schwere Wanderstiefel sind aus meiner Sicht fehl am Platz. Leichte Wanderschuh bieten sich an. Ich habe aber auch viele Teilnehmer in Turnschuhen gesehen. 

Darin halte ich persönlich keine 10 Stunden gehen aus. Aber am Ende muss das jeder für sich entscheiden. Der Vorteil im Vergleich zu einer Via Francigena Wanderung ist, dass man nach maximal 30 Stunden (bei lokaler Anreise) wieder zu Hause ist. 

Startpunkt Megamarsch Köln: Heider Bergsee

Ich fand mich mit etwas Vorlauf am Heider Bergsee in Brühl ein und möchte zur Anreise direkt einige Tipps geben: Wer dem Nahverkehr im Kölner-Raum vertrauen will, der plant am besten 1 Stunde länger ein und mögliche Taxikosten. Als Kölner hat man verschiedene Möglichkeiten – ich hielt die Wahl des RB/RE nach Erftstadt mit anschließender Busverbindung (wie viele andere) für eine gute Idee. Leider hatte die Bahn 5 Minuten Verspätung und der Bus war weg. 

Dank spontaner Fahrgemeinschaften ging es dann aber auch mit dem Taxi. Wer in einer fixen Gruppe anreist hat es da natürlich direkt einfacher und muss keine neuen Kontakte knüpfen, wenn er nicht will. Am Startpunkt angekommen war Festival-Feeling mit Musik und Verkaufsständen. Außerdem ist am Startpunkt die Ausgabe des Basis-Pakets mit Booklet und anderen Kleinigkeiten

Startbild vom Megamarsch Köln

Danach ging es in die Warteschlange: Offiziell beginnt der MEGAMARSCH um 12 Uhr. Organisatorisch werden aber immer nur 300 Leute gleichzeitig gestartet. Das hat zur Folge, dass man eine ganze Weile ansteht bis es losgeht. Bei mir dauert es ca. 45 Minuten, bis es unter lautem Geklatsche und Jubel-Rufen der Veranstalter und der anderen losging.

Überblick: Der Wanderweg und die Verpflegung

Die Strecke des Megamarsch Köln folgt dem alten Römerkanal-Wanderweg von Brühl bis in das Naturzentrum Eifel in Nettersheim und hat einiges an Abwechslung zu bieten: Erst Wald, dann Feld und auch mal Stadt. 

Gerade in den kleinen Städtchen zwischen Köln und Bonn war für manchen Bewohner eine Überraschung plötzlich über 2.000 Mann und Frau durch die Straßen wandern zu sehen. Es waren aber alle freundlich und letztlich boten manche sogar zusätzliche kleine Häppchen an. 

Streckenplan Megamarsch Köln powered by Komoot

Den Weg empfand ich gut kuratiert – auch wenn manches Mal ein Schild fehlte und man sich nicht ganz sicher sein konnte. Allein durch die Masse der Mitläufer war es kein Problem sein Ziel zu finden. Auch gab es zwischendurch immer wieder Helfer aus dem Megamarsch-Team die Fotos machten oder nach dem Rechten sahen. 

Verpflegungstechnisch erwartet einen bei einem 100 Kilometer-Lauf nicht die hohe Kulinarik. Aber einen guten Mix aus Wasser, Brühe, Kaffee, Müsliriegeln, Milchbrötchen und Kräckern an den insgesamt 4 Stationen, an denen es auch medizinisches Personal und einen Shuttleservice in die nächste Stadt gab. Ich finde, damit konnte man in Summe sehr zufrieden sein und es war mehr als ich zunächst erwartet hatte.

Erster Etappenpunkt: SV Vorgebirge – 15 Kilometern

Nach rechnerisch ungefähr 3 Stunden (bei 5 KM/h) erreichte ich die erste Verpflegungsstation und war positiv überrascht: Es gab Tee, Kaffee, Suppe und diverse Snacks: Von Power-Riegel bis Obst war alles dabei und half dem leicht ermüdeten Geist weiter durchzustarten. 

Toll ist durchgehend der Event-Charakter, weil alle Menschen die ich auf der Strecke getroffen habe einen positiven Vibe haben: Sei es der ältere Herr, der regelmäßige Megamärsche absolviert und leichtfüßiger unterwegs war als alle 20-40 jährigen zusammen. Oder die diversen Gruppen aus Freunden, die einfach eine gute Zeit haben wollten und den Lauf ein wenig wie einen Vatertags-Ausflug auslebten. In jedem Fall war die Stimmung gut. 

Mit Einbruch der Dunkelheit ab 19 Uhr kam es für mich zu einem besonderen Erlebnis: Es ging auf den Kottenforst zu und wurde immer dunkler – dann gingen die Stirnlampen an. Und egal ob man vor oder zurück sah: Ein langgezogener Track aus “Glühwürmchen” zog sich damit durch die immer dichtere Dunkelheit. Da wurde mir erstmals bewusst, wie viele Menschen wir wirklich waren (ca. 2.500 Teilnehmer sind es am Ende gewesen).

Zweiter Etappenpunkt: Parplatz Forsthaus Buschoven – 25 Kilometer

Auf den Wald folgte die Krombacher-Station: Eine wirklich, wirklich gute Idee! Auch wenn ich kein Biertrinker bin. Ein isotonisches, kaltes, alkoholfreies Bier kann tatsächlich Wunder wirken bei einem müden Geist. Und bis zur nächsten Verpflegungsstation zog es sich noch etwas. 

Ein Nachteil der Nacht im September ist die einziehende Kühle: Wann immer ich eine kurze Verschnaufpause nach 23 Uhr gemacht habe, kühlte ich trotz Pulli und Jacke schnell aus. Kein angenehmes Gefühl, dass mich merklich runterzog. Mein Tipp: Auch bei Pausen in Bewegung bleiben!

Ich versuchte das beste darauf zu machen und suchte das Gespräch mit anderen Teilnehmern. An diesem Punkt irgendwo nach 30 Kilometern und Richtung Nacht geht der Spirit bei vielen Teilnehmern aber tatsächlich nach unten. Einige brechen zu diesem Zeitpunkt ab – oder haben es bereits getan. 

Aus der reinen physischen Challenge wird spätestens jetzt eine mentale. Denn schnell neigt man dazu sich auf seine Schmerzen statt auf den Weg zu konzentrieren. Das war auch mein größter Fehler, der mir dann gegen 1 Uhr zum Verhängnis wurde.

Nach einer Sitz-Pause zuviel und einigen falschen Bewegungen wollte mein sowieso leicht lädiertes linkes Bein nicht mehr so recht. Und somit entschloss ich mich etwas hinter Rheinbach bei der nächsten Verpflegungsstation bei Kilometer 42 nach etwa 9 Stunden dazu für dieses Jahr zu sagen: Es reicht. Um kurz vor 3 Uhr nachts ging es nach Hause.

Begrüßungsplakat Megamarsch Köln
Megamarsch Plakat für die Motivation

Fazit: Megamarsch Köln nochmal oder war es das?

Würde ich es wieder machen? Auf jeden Fall! Ich habe 42 Kilometer geschafft auf die ich stolz bin, da ich ohne viel Vorbereitung in den Event gestartet bin. Ich habe den Ehrgeiz 2020 in jedem Fall einmal die 100 Kilometer zu laufen. Ich weiß nicht, ob es danach für eine Megamarsch-Besessenheit ausreicht. Aber einmal die 100 Kilometer müssen sein. 

Was ich in jedem Fall anders machen werde ist mir ein Team zu suchen und damit an den Start zu gehen. Obwohl ich von der Via Francigena das alleine wandern gewöhnt war und damit keine Probleme hatte, glaube ich mit einer Gemeinschaft bei dieser Challenge besser ins Ziel zukommen. Das wäre auch mein wichtigster Tipp, an jeden anderen Megamarsch-Interessierten: Sucht eine Gruppe.

Letztlich kann man sich gegenseitig pushen und hochziehen – auch wenn es gar nicht mehr zu gehen scheint. Ansonsten würde ich nichts anderes machen. Wer vorher aber noch nie wandern war, dem Rate ich in jedem Fall einige Wochenenden vorher mindestens mal 20-30 Kilometer zu gehen, um in den Spirit zu kommen. In jedem Fall eine tolle Challenge!